Diagnose, Differentialdiagnose

Diagnose

Nach der Diagnose (Erkennung einer Krankheit) der Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen muss Transsexualität folgende Kriterien erfüllen:

  • eine tiefgreifende und dauerhafte gegengeschlechtliche Identifikation
  • ein anhaltendes Unbehagen hinsichtlich der biologischen Geschlechtszugehörigkeit bzw. ein Gefühl der Inadäquatheit in der entsprechenden Geschlechtsrolle
  • ein klinisch relevanter Leidensdruck und/oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionen

Intersexualität wird hierbei, im Unterschied zum Diagnoseschlüssel (ICD-10), nicht mehr zwingend als Ausschlusskriterium betrachtet, wobei aber dann das Personenstandsgesetz (PStG §$46-49) Anwendung finden kann.

Im Rahmen dieser Diagnostik werden folgende persönliche Merkmale untersucht:

  • das Strukturniveau der Persönlichkeit und deren Defizite
  • das psychosoziale Funktionsniveau
  • neurotische Dispositionen bzw. Konflikte
  • Abhängigkeiten / Süchte
  • suizidale Tendenzen und selbstbeschädigendes Verhalten
  • Paraphilien/Perversionen
  • psychotische Erkrankungen
  • hirnorganische Störungen
  • Minderbegabungen

Differential­diagnose

Diese Untersuchungen führen zur Differentialdiagnose, deren Bedeutung bei der Behandlung und Begutachtung Transsexueller darin liegt, Krankheitsbilder, die die gleichen Symptome wie Transsexualität aufweisen können, auszuschließen (sog. Ausschlusskriterien).

Nach den Standards werden folgende Differentialdiagnosen beachtet:

  • Unbehagen, Schwierigkeiten oder Nicht-Konformität mit den gängigen Geschlechtsrollenerwartungen, ohne daß es dabei zu einer überdauernden und profunden Störung der geschlechtlichen Identität gekommen ist
  • partielle oder passagere (vorübergehende) Störungen der Geschlechtsidentität, etwa bei Adoleszenzkrisen
  • Transvestitismus und fetischistischer Transvestitismus, bei denen es in krisenhaften Verfassungen zu einem Geschlechtsumwandlungswunsch kommen kann
  • Schwierigkeiten mit der geschlechtlichen Identität, die aus der Ablehnung einer homosexuellen Orientierung resultieren
  • eine psychotische Verkennung der geschlechtlichen Identität
  • schwere Persönlichkeitsstörungen mit Auswirkung auf die Geschlechtsidentität