Epilation

Die Epilation ist die momentan leider "unendliche Geschichte" der Haarentfernung. Auch wenn uns findige Werbetexter und Behandler anderes weißmachen wollen:

  • Haarentfernung ist doch schmerzhaft
  • Haarentfernung kann doch Nebenwirkungen haben
  • nicht alle Epilationsmethoden führen zu einer dauerhaften Haarentfernung
  • die von den Behandlern angegebene Anzahl der notwendigen Epilationssitzungen wird häufig weit überschritten

Sicherlich gibt es bei behandelten Betroffenen Ausnahmefälle, auf die diese Einschränkungen nicht oder nur teilweise zutreffen. Wie viele Menschen sind so schmerzunempfindlich, dass sie während einer Epilationsbehandlung einschlafen können? Wie viele Transfrauen haben einen so geringen Bartwuchs, dass sie nach ein paar Behandlungen völlig haarfrei sind? Diese Betroffenen bilden eine Minderheit.

Im Moment konkurrieren auf dem Markt zwei verschiedene Verfahren zur Haarentfernung:

  1. Elektroepilation (Nadelepilation)
  2. Photothermolyse (Laser- und Intense-Puls-Light-Epilation (IPL))

Da die Nadelepilation aber nachgewiesenermaßen die wirklich einzige Methode zur dauerhaften Haarentfernung ist, werden i.d.R. nur diese Kosten, bei entsprechender Indikation, von den gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Trotzdem haben die Lichtverfahren sehr wohl ihre Berechtigung, da bei ihnen, im Gegensatz zur Nadelepilation, bei der jedes Haar einzeln epiliert werden muss, ganze Haarflächen epiliert werden können. Das hat in jedem Fall den Vorteil, dass relativ schnell (ca. 4-8 Sitzungen im Abstand von etwa 6 Wochen) ein Bartschatten verschwinden kann.

Fragen

Welches Verfahren ist das Beste?

Diese Frage kann nicht einfach beantwortet werden, da jedes seine Vor- und Nachteile hat. Wie in anderen Bereichen auch, ist eine Kombination der Verfahren am sinnvollsten, kann aber leider nicht bei allen Betroffenen wegen ihrer Voraussetzungen angewendet werden. Die Methode "beginnende Laserepilation, weiterführende Nadelepilation", die bei entsprechender Antragstellung vom MDK (Nordrhein) den Krankenkassen empfohlen wird, erleichtert auf jeden Fall den Einstieg in den sog. Alltagstest. Leider setzen sich die Krankenkassen meistens darüber hinweg, da die Lichtverfahren nicht in ihrem Leistungskatalog verzeichnet sind.

Kann mit der Epilation schon vor Beginn der Hormonbehandlung begonnen werden?

Zerstörte Haare sind zerstörte Haare. Sicherlich haben gegengeschlechtliche Hormongaben (Antiandrogene) eine Wirkung auf den Körper und das Haarwachstum. Sie vermindern das Haarwachstum am Körper (nicht das des Haupthaares), zérstören aber keine Haare und ihre Wurzeln. Da mit der Hormonbehandlung die Haut empfindlicher wird, kann es von Vorteil sein, z.B. mit einer Laserepilation, vorher zu beginnen, da die Lichtverfahren die Haut sehr belasten. Der Nachteil ist allerdings, dass man die hohen Kosten zu diesem Zeitpunk selber tragen muss.

Werden alle Haare eines behandelten Areals sofort zerstört?

Nein! Der Lebenszyklus eines Haares besteht aus drei verschiedenen Phasen, der Wachstums-, Übergangs- und Ruhephase. Haare, die sich nicht in der Wachstumsphase befinden (immerhin etwa 70% im Gesicht), können nicht dauerhaft entfernt werden. Das Problem ist, dass es dem Haar von außen nicht anzusehen ist, in welcher Phase es sich gerade befindet, weshalb immer mehrere Epilationsdurchgänge auf der gleichen Flächen erfolgen müssen.

Elektro­epilation

Nadelepilation

Die Nadelepilation ist, nicht nur in Deutschland, die einzige anerkannte Methode zur permanenten Haarentfernung. Bei diesem Verfahren wird eine kleine Nadel entlang des Haarschaftes in den Haarkanal eingeführt und das Haar mit Hilfe von Strom zerstört. Dieses Haar kann dann mit einer Pinzette herausgezogen werden.

Auch wenn die Nadelepilation sehr gute Ergebnisse liefert und bei allen Haartypen (auch bei extrem hellen Haaren) eingesetzt werden kann, hat sie natürlich auch Nachteile.

Der Epilationserfolg hängt im Wesentlichen von der Schnelligkeit und der Geschicklichkeit des Elektrologisten ab. Ist ein Behandler unerfahren, kann es durchaus zu Narbenbildungen kommen (isb. bei der Thermolyse).

Für diese Art der Epilation muss man eine Menge Geduld mitbringen. Auch wenn vom MDK nur etwa 200 Stunden als erforderlich angesehen werden, sind bis zu über 300 Behandlungsstunden keine Ausnahme. Dabei sollten für jede Sitzung mindestens 2-3 Stunden im Abstand von maximal 3 Wochen eingeplant werden, was das ganze Verfahren natürlich auch sehr teuer macht.

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Haare zur Entfernung mindestens eine Länge von 1-2mm haben müssen, damit sie mit der Pinzette herausgezogen werden können. Das macht natürlich die Tage vor der Behandlung zur Qual, wenn man in seiner Rolle als Frau mit einem Drei-Tage-Bart herumlaufen muss.

Entsprechend des eingesetzten Stroms unterscheidet man zwischen:

Thermolyse

(Flashmethode):

Sehr schnelle Haarentfernung mittels eines hochfrequenten Wechselstroms, der das Haar thermisch zerstört, mit der erfahrene Elektrologisten sogar bis zu 500 Haare pro Stunde entfernen können. Diese Methode hat den Nachteil, dass nicht alle Haare wirklich zerstört werden und sie wieder nachwachsen können. Allerdings kann so relativ schnell ein Bartschatten verschwinden.

Elektrolyse

Sehr zeitaufwendige Haarentfernung mittels eines Gleichstroms, der im Haarfolikel eine Lauge erzeugt, die das Haar dauerhaft zerstört.

Blendmethode

Eine Kombination aus der Thermolyse und Elektrolyse, bei der die Dauer der Entfernung eines Haares zwischen der der beiden Einzelmethoden liegt. Die Blendmethode ist heute die effektivste Methode ein Haar wirklich dauerhaft zu entfernen.

Photo­thermolyse

Während hier in Deutschland fleißig Werbung mit "permanenter, schmerzfreier Haarentfernung" gemacht wird, ist es den Geräteherstellern in den USA durch die FDA (U.S. Food and Drugs Administration) verboten mit diesen Slogans zu werben.

Was diese beiden thermischen Verfahren allerdings bewirken ist eine deutliche, flächige Haareduzierung.

Laserepilation

Die Laserepilation basiert auf der Haarfollikelzerstörung durch einen stark gebündelten Lichtstrahl (kohärente, also phasengleiche Lichtwellen) mit einer sehr hohen Energiedichte.

Bei den sich auf dem Markt befindlichen Geräten unterscheidet man zwischen:

  • Feststofflasern (LPIR-Alexandritelaser, Rubinlaser, YAG-Laser, ...)
  • Gaslasern (CO2-Laser, ...)
  • Diodenlasern (Light Sheer, ...)

Der CO2-Laser ist nur der Vollständigkeitshalber mit aufgeführt, da in Vergangenheit wohl Epilation mit Gaslasern angeboten wurde, dieser Lasertyp aber nur für chirurgische und hautkosmetische Behandlungen geeignet ist.

Die verschiedenen Lasergeräte unterscheiden sich durch

  • die Wellenlänge des Lichts (jeder Laser arbeitet mit nur einer Wellenlänge)
  • die Lichtimpulsdauer
  • den Durchmesser des Lichtstrahls (ca. 10mm)
  • den Einstellbereich der Lichtenergie

Intense-Pulsed-Light-Epilation (IPL)

Manchmal wird dieses Verfahren auch als "Lasern" bezeichnet, was es aber nicht ist. Das Intense-Pulsed-Light-Epilationsverfahren, wie etwa bei Epiderm, Epilight und Phototsilk, sind aus dem Photoderm hervorgegangen und arbeiten mit Lichtstrahlen (nicht-kohärente, also phasenverschiedene Lichtwellen) hoher Energiedichte, die sich im Aufbau von denen eines Lasers unterscheiden.

Die verschiedenen Gerätetypen unterscheiden sich durch

  • das Wellenspektrum des Lichts (Wellenlängenbereich)
  • den Einstellbereich der Impulsdauer
  • den Durchmesser des Lichtstrahls (ca. 50mm)
  • den Einstellbereich der Lichtenergie

Grundsätzlich ist der Erfolg einer Photothermolyse immer von der Haarfarbe (hell/dunkel), dem Hauttyp (hell/dunkel-empfindlich/unempfindlich) und der Haardicke (dünn/dick) abhängig. Ein guter Behandler wird also nicht mit voller Geräteleistung (ca. 40J/cm²) durch das Gesicht gehen.

Ein Lichtimpuls wirkt auf die Farbpigmente (Melanin) im Haar. Da jeder Mensch aber eine unterschiedliche Haarfarbe hat und die sich im Laufe der Zeit auch noch verändern kann (z.B. durch Sonneneinstrahlung und Alter), ist also jeweils eine andere Wellenlänge des Lichtstrahls erforderlich, was bei der IPL-Epilation durch das Wellenspektrum der Geräte abgedekt wird, bei Lasergeräten aber nicht möglich ist. Aus diesem Grund können manche Haare zwar beschädigt (auch dauerhaft), aber nicht zerstört werden, weshalb sie dann immer noch nachwachsen können. Grundsätzlich gilt für beide Methoden, je dunkler die Haare, desto sicherer der Erfolg.

Ein weiteres Problem ist die gleichzeitige Reaktion der Farbpigmente der Haare und die der Haut, weshalb das Hautgewebe in jedem Fall mit angegriffen wird. Diese Lichtverfahren sollten deshalb auch nur bei dunklem Haar auf heller Haut angewendet werden. Die Nebenwirkungen können Verbrennungen und Narben sein (langzeitliche Schädigung der Unter- und Oberhaut). Außerdem kann die Haut, je nach eingestellter Leistung, besonders im Kinnbereich, "blutiggeschossen" werden (isb. durch den Laser). Auf jeden Fall sollte man sich darauf einstellen, etwa 2-7 Tage (je nach Hauttyp) mit einem Sonnenbrand herumzulaufen (After-Sun-Sonnencreme hilft). Es ist empfohlen, sich, auch danach noch, der Sonne fernzuhalten, da die Haut dadurch zusätzlich belastet wird.

Durch den Unterschied der kleineren Energiedichte der IPL-Geräte zu der der Laser, muss bei ihnen, um an tiefe Haarwurzeln zu gelangen, die Energie der Gerätes sehr hoch eingestellt werden. Diese Energie trifft aber auch das Gewebe, das durch den großen Wellenlängenbereich stärker in Mitleidenschaft gezogen wird als beim Lasern.

Die Erfahrung hat mittlerweile gezeigt, dass ein Laser, durch die sehr hohe Energiedichte, die Farbpigmente aus Haaren und Haut (auch Lippen) dauerhaft "herausschießen" kann (Pigmentstörungen), weshalb man plötzlich weiße Haare und Hautflecken bekommen kann. Dies kann isb. an der Kinnpartie geschehen, wo die Haare am dicksten sind. Während dünne Haare mit einer bestimmten Leistung zerstört werden, kann aus dicken Haaren mit der gleichen Leistung die Farbe verschwinden.

Bei der Probeepilation achtet darauf, wo der Behandler die "Schüsse" ansetzt. Um zu zeigen, dass das Verfahren nicht schmerzhaft ist kann er am Hals, oder äußerem Wangenbereich ansetzen. Probiert es mal am Kinn oder der Oberlippe...

Während der Epilation sollte man sich darauf vorbereiten, dass isb. beim Laser, Haare aus dem Gesicht herausgeschossen kommen und es nach verbrannten Haaren stinkt. Zur Schmerzlinderung, gerade im Kinn- und Lippenbereich, sollte in jedem Fall der Kühlschlauch verwendet werden (Achtung, Kühlgel nicht wegpusten!).

Nach der Epilation wird man jedenfalls erstmal mit einem Sonnenbrand herumlaufen (die Dauer ist hauttypabhängig). Die Haare sind nicht sofort verschwunden, sondern stecken noch verbrannt in der Haut und müssen erst herauswachsen. Das dauert etwa 14 Tage. Zwar kann man sich am nächsten Tag sofort wieder rasieren, aber die dunklen Flecken bleiben erst mal, so dass man beim ersten Epilieren ausprobieren sollte, wie schnell man sich wieder unter Leute trauen kann.

Eine Photothermolyse wird dann unsinnig und unwirtschaftlich, wenn übrig gebliebene Haare nur noch sehr weit auseinanderliegen. Da dieses Verfahren eine Flächenbehandlung ist, muss dann trotzdem das ganze Gesicht "abgefahren" werden, um einzelne Haare zu erwischen, weshalb aber trotzdem die Kosten der behandelten Fäche zu bezahlen sind.

Zur Behandlungsdauer ist zu beiden Verfahren zu sagen, dass nach 4-8 Sitzungen ein Bartschatten verschwinden, und nach 10-15 Sitzungen eine deutliche Haarreduzierung erreicht werden kann. Die Erfahrungen von Dermatologen zeigen, dass bei optimalen Voraussetzungen eine Haarverminderung von etwa 60% zu erreichen ist.